Am_Damm_02Roman (Friedrich Mücke) verbringt sein Großstadtleben leicht verloren mit Partys und Computerspielen. Nebenbei jobbt er für einen Anwalt und digitalisiert Gerichtsakten eines Amoklaufs an einer Provinzschule. Da noch wichtige Papiere fehlen, muss Roman für einige Tage an den Tatort, wo er mit den Aggressionen der traumatisierten Dorfbevölkerung konfrontiert wird.

Pensionszimmer_BettDoch er lernt auch die Schülerin Laura (Liv Lisa Fries) kennen, die den Amoklauf überlebt hat und die kühlen Fakten aus Romans Akten Realität werden lässt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, die Roman aus seiner Lethargie reißt und Laura hilft, die traumatischen Erlebnisse hinter sich zu lassen.

Synopsis (lang)

STAUDAMM erzählt die Geschichte von Roman (Friedrich Mücke), einem Mittzwanziger, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat und sich vor allem für Partys und Computerspiele interessiert. Nebenbei jobbt er für einen überarbeiteten Staatsanwalt (Dominic Raacke), dem er Akten als Tonaufnahmen einliest, die dieser sich dann beim Autofahren anhört. Als Roman an den Protokollen eines Amoklaufs sitzt, wird er aus seiner Lethargie gerissen: Vor einem Jahr erschoss ein Junge in einem kleinen Ort in der Provinz viele Mitschüler und Lehrer und schließlich sich selbst. Aufgeschreckt von den Details der Tat, die mit Zeugenaussagen und Gutachten minutiös rekonstruiert wird, beginnt Roman sich das erste Mal Fragen zu stellen, die über seine eigene kleine Lebenswelt hinausreichen.

Da noch einige Dokumente bei der örtlichen Polizei liegen, schickt der Anwalt Roman an den Ort des Geschehens. Dort bekommt er die aufgestauten Aggressionen der traumatisierten Dorfbevölkerung zu spüren, die nicht in ein normales Leben zurückfindet und den neugierigen Städter loswerden will. Und er lernt die Schülerin Laura (Liv Lisa Fries) kennen, die den Amoklauf überlebt hat. Durch ihre Erzählungen werden die nüchternen Polizeiakten und juristischen Protokolle für Roman immer realer.

Laura zieht es wieder und wieder an den Tatort zurück: Sie schießt Fotos von der Schule, die seit der Tat leer steht, um ihre Erlebnisse zu dokumentieren. Auf einem ihrer nächtlichen Ausflüge nimmt sie Roman mit, gemeinsam steigen sie in die verlassene Schule ein, schleichen die Gänge entlang, betreten verwaiste Klassenzimmer – auf den Spuren des Täters. Es stellt sich heraus, dass Laura den Amokläufer gut kannte und im Besitz seines Tagebuchs ist, ein schonungsloses Zeugnis jugendlicher Ängste und Sorgen, aber auch seiner Wahnvorstellungen und Rachephantasien.

Zwischen Roman und Laura entwickelt sich eine zärtliche Liebe. Durch seine direkte und ehrliche Art hilft er ihr bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse und wird selbst endlich wachgerüttelt – sodass am Ende für beide so etwas wie ein Happy End steht. Und ein erster Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.

Tagebuch des Amokläufers

Es handelt sich bei dem im Film zitierten Tagebucheintrag um eine Textcollage, die sich zusammensetzt aus Originaltexten von Amokläufern, die Gerichtsakten entnommen sind, sowie um fiktive Ergänzungen.

„PETERS TAGEBUCH – REBEL WITH A CAUSE“.

Hier sind 5 Dinge, die mich von den anderen Idioten unterscheiden: 1. Meine Träume. 2. Meine Schreibkunst, ich will ja kein Angeber sein, aber ich glaube, die ist echt OK. Ich habe meinen eigenen Style. 3. Mein Musikgeschmack: Punk, Hardcore, aber auch alte Songs, Dylan und so, von meinen Eltern, total geiler Scheiß, kennt heute kaum noch jemand in meinem Alter. 4. Mein Temperament, hab ich leider nicht immer unter Kontrolle. 5. Meine Eltern. Sie verstehen mich nicht, aber das ist OK.

Was ich wirklich hasse? Werbung. Ich hab neulich gelesen, dass der Mensch in Deutschland 3000 Werbesprüche jeden Tag sehen muss und das ohne blöde Logos. Echte, ganze Sprüche. Ein Wunder, dass hier noch kein Krieg ist.

Liebe? Was soll das eigentlich sein. In den Songs, die ich höre, hört sich das immer nach Problemen an. Man liebt jemanden, aber trotzdem, alles wird dann nur Scheiße und Stress.
Ich lüge viel, zu den ganzen Schleimern, den Opfern bei uns in der Schule, aber, irgendwie nie zu Mädchen. Das kann ich nicht. Weiß auch nicht warum.

Also, ich hatte noch nie eine Freundin. Manchmal wünschte ich, ich hätte eine. Eine coole, die richtig abgeht, und keine überflüssige Tussie aus München ist. Das wär was.
Ich sag mal, wie es ist: ich bin das Gesetz. Was ich sage, wird passieren. Wenn ich will, dass die Welt brennt, dann brennt sie auch.

Das größte Talent, das man braucht ist, dass einem der ganze Bullshit nichts anhaben kann. Ich nenn das Immunität gegen Scheiße. Wer das hat, wer dagegen immun ist, der kann wirklich alles im Leben erreichen. In Banken arbeiten, Maserati fahren, Supermodels ficken, ganz egal. Wenn dir alles egal ist, kein Problem! Ich hab das nicht.

Mir ist nicht alles egal. In der Schule, die Versager, mit ihrer Poser-Nummer, die ganz toll zeigen soll, dass sie genau das, nämlich Versager, nicht sind. Klappt nicht, jeder checkt das sofort – ihr Loser. Fuck you and die!

Ich bin jetzt 18 Jahre alt und verloren. Wir sitzen in unseren Zimmern. Und draußen wird unsere Zukunft zerstört. Das schlimmste was passieren könnte, ist, wenn es noch mehr Fernsehkanäle gäbe. Noch mehr Moderatoren. Das würde ich einfach nicht mehr aushalten.

Ich habe immer öfter den Eindruck, dass alle anderen Menschen nicht echt sind. Fake. Kopien. Das macht mir keine Angst, sondern beruhigt mich, denn es erklärt so vieles.
Ich hab den ganzen Tag Song-Texte gegoogled. Es hilft zu wissen, dass es schon vorher Leute gab wie mich. Denen es genau so ging. Die nicht rein passten. Die Gesellschaft will, dass man sich anpasst. Das ist wie in Nordkorea, nur eben etwas subtiler und mit einem Verkäufer-Lächeln, statt mit Gewalt und Autorität. Geh doch mal auf die Straße und sag: Verbiete Autos, weil sie die Welt kaputt machen? Oder Waffenexporte? Mach das doch mal… wirst schon sehen, was passiert.

Ich seh in dem Lächeln der Menschen nur Verzweiflung. Aber ich hasse sie nicht, sie tun mir Leid. Aber nicht mehr lange. Bald erlöse ich sie alle.

Hey, Laura! Es ist jetzt vielleicht ein bisschen plötzlich, aber ich muss es einfach loswerden. Ich find dich toll. Alles an dir. Auch wenn wir nur selten reden. Ich denke ganz oft an dich. Jede Sekunde. Was für Musik magst eigentlich? Ich hoffe, kein Techno oder Schlager oder so ein Scheiß.

Ich will mit Laura gar nicht schlafen. Das ist mir zu viel. Nur sie anschauen dürfen ohne dass jemand lacht. Mit jedem Tag wird mir bewusster, dass ich ein Gewehr brauche.
Ich bin mir sicher ihr ist egal, dass ich nicht so bin wie die Idioten. Die Drohnen. Ich bin mir ganz sicher… Und wenn ich nur die Chance hätte, es dir zu zeigen, meine Welt, dann würdest du mich auch verstehen. Ich lebe in der Kleinstadt-Hölle, ich zerstöre die Kleinstadt-Hölle. Fuck you and DIE!

Bevor ich gehe: Ich sollte mich auf den großen Tag freuen. Aber irgendwie tu ich das nicht. Es ist wegen meiner Eltern. An alle, die ich liebe: Es tut mir leid! Und an alle anderen: Lasst meine Eltern in Ruhe! Sie können nichts dafür.